13.07.2026
Allianzkonferenz: Leid, Hoffnung und ein dreifaches Jubiläum
Der Leiter der Allianzkonferenz, Hans-Günter Schmidts, spricht im idea-Interview über das Thema der diesjährigen Allianzkonferenz

© Achim Halfmann
Die 130. Bad Blankenburger Allianzkonferenz findet vom 5. bis 9. August in Thüringen statt. Sie steht unter dem Thema „hiobsBOTSCHAFT“ und befasst sich mit dem alttestamentlichen Buch Hiob. IDEA hat den Leiter des Konferenzteams, Hans-Günter Schmidts, nach den Besonderheiten der diesjährigen Veranstaltung gefragt.
IDEA:Warum steht ausgerechnet das Buch Hiob im Mittelpunkt der Allianzkonferenz?
Schmidts: Dafür gibt es zwei Gründe. Zum einen folgt die Allianzkonferenz der Tradition, abwechselnd ein alttestamentliches und ein neutestamentliches Buch in den Mittelpunkt zu stellen. In diesem Jahr war wieder ein alttestamentliches Buch an der Reihe. Zum anderen ist der Umgang mit Leid, Krisen und Situationen, die man sich ganz anders gewünscht hätte, ein sehr persönliches, aber auch gesellschaftlich hochaktuelles Thema. Viele Menschen fragen sich in der heutigen Zeit: Wo geht es hin? Wie geht es weiter? Was muss sich verändern? Gerade deshalb wollen wir neu darauf schauen, dass Gott Geschichte schreibt und der Treue ist, der dahintersteht.
IDEA: Was ist in diesem Jahr das Besondere an der Allianzkonferenz?
Schmidts: Zunächst das dreifache Jubiläum. 1886 – also vor 140 Jahren – fand die erste Allianzkonferenz statt. Zudem ist es die 130. Konferenz insgesamt, die wir veranstalten. Das liegt daran, dass sie in Kriegszeiten nicht stattfinden konnte. Außerdem wurde vor 120 Jahren die Glaubenshalle eröffnet. Die Geschichte dahinter ist bemerkenswert: Pfarrer Ernst Modersohn (1870–1948) stellte am 17. Juni 1906 den Bauantrag mit der Vorgabe, dass die Konferenz bereits im August dort stattfinden müsse. Viele hielten das für unmöglich. Modersohn soll sinngemäß gesagt haben: Bei Menschen ist das nicht möglich, aber bei Gott ist es möglich. Und die Konferenz fand tatsächlich im August statt. Programmatisch ist das Musical „Paul & Gretel – Kein Märchen“ in diesem Jahr ein besonderer Akzent. Es erzählt die Geschichte von Margarete und Paul Schneider, dem „Prediger von Buchenwald“. Das passt thematisch sehr gut zur Konferenz – auch vor dem Hintergrund, dass Antisemitismus in unserer Gesellschaft wieder ein Thema ist. Zudem liegt Buchenwald nicht weit von Bad Blankenburg entfernt.
IDEA: Welche Bedeutung hat die Allianzkonferenz heute noch?
Schmidts: Wir sind uns in den Gremien der Evangelischen Allianz in Deutschland einig: Es braucht weiterhin eine Bibelkonferenz für alle Generationen. Es gibt viele gute christliche Konferenzen in Deutschland, aber sie sind oft auf bestimmte Zielgruppen ausgerichtet. Die Allianzkonferenz ist anders. Sie ist eine Bibelkonferenz für Kinder, Teenager, Jugendliche und Erwachsene. Es geht darum, ein biblisches Buch gründlich zu betrachten.
Dabei geht es nicht nur um den einzelnen Teilnehmer. Natürlich sollen Menschen durch Gottes Wort ermutigt, gestärkt und, wo nötig, auch korrigiert werden. Aber solche Tage sollen auch Ausstrahlung in Gemeinden, örtliche Allianzen und die Christenheit in Deutschland haben. Wir brauchen Orientierung aus der Bibel für die Fragen, die in unserer Gesellschaft anstehen.
IDEA: Wie wird die Konferenz getragen?
Schmidts: Die Allianzkonferenz ist stark von Ehrenamtlichen geprägt. Es gibt nur eine Allianzmitarbeiterin, die angestellt ist und mitwirkt. Im Vorbereitungsteam arbeiten etwa 15 Personen ehrenamtlich mit. Insgesamt haben rund 100 Ehrenamtliche feste Aufgaben. Das prägt den Charakter der Konferenz: Die Bibel steht im Mittelpunkt, und viele Menschen bringen sich mit Herzblut ein. Die Veranstaltung ist bewusst kein technisch überzogenes Showformat.
IDEA: Wird sich an der historischen Konferenzhalle etwas verändern?
Schmidts: Wir sind überzeugt, dass es eine neue Vision und Strategie für die Nutzung der Halle braucht. Sie ist 120 Jahre alt und wird bisher im Wesentlichen nur für die Konferenz genutzt. Das ist eigentlich zu schade. Die Halle passt sehr gut zu einem Allianzzentrum wie Bad Blankenburg. Zugleich ist klar: Sie ist kein modernes Eventcenter, und wegen des Denkmalschutzes kann man sie nicht einfach abreißen und neu bauen.
Wir wollen überlegen: Was kann man verändern? Was muss man verändern? Was darf man verändern? Es geht um eine Lösung, die den Geist der Geschichte atmet und zugleich moderner Nutzungsansprüche entspricht. Erste Gedanken sollen in diesem Jahr weiterentwickelt werden. Spätestens im Herbst wollen wir konkreter beraten, was kurzfristig möglich ist und was in den kommenden zwei bis drei Jahren angegangen werden kann.
IDEA: Vielen Dank für das Gespräch.
Quelle: idea e.V.,Allianzkonferenz: Leid, Hoffnung und ein dreifaches Jubiläum